Glossar der Immunonkologie

Interferone

Interferone gehören zur Gruppe der Zytokine und werden von vielen Körperzellen gebildet, sobald sie Viren oder andere Gefahrensignale erkennen. Sie koordinieren die frühe Immunantwort, indem sie benachbarte Zellen in einen antiviralen Zustand versetzen und zahlreiche Gene aktivieren, die der Ausbreitung von Krankheitserregern entgegenwirken. Gleichzeitig fördern sie die Aktivität natürlicher Killerzellen (NK-Zellen), dendritischer Zellen und T-Lymphozyten sowie die Antigenpräsentation. Auch in der Krebsimmunologie spielen Interferone eine wichtige Rolle. Sie können dazu beitragen, dass Tumorzellen vom Immunsystem besser erkannt werden, und die Entwicklung tumorspezifischer Abwehrreaktionen unterstützen. Tumorzellen verlieren jedoch im Verlauf ihrer Entwicklung häufig die Fähigkeit, ausreichend auf Interferone zu reagieren. Dieser Verlust trägt dazu bei, dass sie der Immunüberwachung entgehen können. Im Zusammenhang mit onkolytischen Viren sind Interferone von besonderer Bedeutung. Gesunde Zellen reagieren auf eine Virusinfektion rasch mit der Bildung von Interferonen. Dadurch kann die Virusvermehrung begrenzt werden. Viele Tumorzellen weisen dagegen Defekte in dieser zellulären Abwehr auf. Aufgrund dieser Defekte können sich bestimmte onkolytische Viren bevorzugt in Tumorzellen vermehren, während gesundes Gewebe weitgehend geschützt bleibt. Gleichzeitig kann die Virusinfektion Immunreaktionen auslösen, die zu einer antitumoralen Immunantwort beitragen können.

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Hirnstammzellen lebenslänglich unter Interferon-Kontrolle (2024)https://www.dkfz.de/aktuelles/pressemitteilungen/detail/hirnstammzellen-lebenslaenglich-unter-interferon-kontrolleNational Library of Medicine: Ivashkiv LB, Donlin LT. Regulation of type I interferon responses. (2014)https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24362405/National Library of Medicine: Parker BS, Rautela J, Hertzog PJ. Antitumour actions of interferons: implications for cancer therapy. (2016) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26911188/