In unserem Körper verläuft der programmierte Zelltod normalerweise immunologisch neutral: Alte oder geschädigte Zellen sterben ab und werden beseitigt, ohne eine Abwehrreaktion auszulösen. Tumorzellen können sich diesen Mechanismus zunutze machen, da das Immunsystem sie häufig als körpereigen erkennt. Beim immunogenen Zelltod sterben Tumorzellen dagegen auf eine Weise, die das Immunsystem alarmiert und eine Abwehrreaktion auslösen kann. Dabei treten mehrere charakteristische molekulare Signale auf: Das Protein Calreticulin erscheint auf der Zelloberfläche und wirkt als „Eat-me-Signal“, ATP lockt Immunzellen an, Gefahrensignale wie HMGB1 werden freigesetzt und Tumorantigene werden für das Immunsystem besser verfügbar. Diese Signale veranlassen dendritische Zellen, die sterbenden Tumorzellen aufzunehmen und ihre Antigene an T-Zellen zu präsentieren. Dadurch kann eine tumorspezifische Immunantwort gegen den Tumor in Gang gesetzt werden. Inzwischen konnte gezeigt werden, dass verschiedene Krebstherapien einen immunogenen Zelltod auslösen können. Dazu gehören unter anderem die Strahlentherapie, bestimmte Chemotherapeutika wie Doxorubicin, die modulierende Elektrohyperthermie, Tumor Treating Fields (TTFields) sowie onkolytische Viren. Je nach Verfahren können sie Tumorzellen so schädigen, dass charakteristische immunogene Signale freigesetzt werden. Der immunogene Zelltod verbindet damit zwei Wirkprinzipien: Er zerstört Tumorzellen und verbessert gleichzeitig ihre Erkennbarkeit für das Immunsystem. Forschung und klinische Studien untersuchen, wie sich dieser Mechanismus mit Immuntherapien kombinieren lässt, um deren Wirksamkeit weiter zu verbessern.
National Library of Medicine: Galluzzi L, Kepp O, Hett E et al. Immunogenic Cell Death in Cancer: Concept and Therapeutic Implications. (2023) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36864446/National Library of Medicine: Consensus guidelines for the definition, detection and interpretation of immunogenic cell death (2020)https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7064135/Podcast der IOZK Stiftung