Glossar der Immunonkologie

HLA System

Das HLA-System (Humanes Leukozytenantigen-System) spielt eine zentrale Rolle bei der Erkennung körperfremder und veränderter Zellen. HLA-Moleküle befinden sich auf der Oberfläche nahezu aller Körperzellen und präsentieren kleine Eiweißbruchstücke, sogenannte Peptide, an T-Zellen. Anhand dieser Peptide erkennt das Immunsystem, ob eine Zelle gesund ist oder Anzeichen einer Virusinfektion oder einer Tumorerkrankung aufweist.Man unterscheidet zwei Hauptgruppen von HLA-Molekülen.

HLA-Klasse I kommt auf fast allen kernhaltigen Körperzellen vor und zeigt diese Peptide zytotoxischen T-Zellen (CD8⁺-T-Zellen), die virusinfizierte oder entartete Zellen erkennen und zerstören können. HLA-Klasse II wird vor allem von antigenpräsentierenden Zellen wie dendritischen Zellen, Makrophagen und B-Zellen gebildet. Sie aktiviert CD4⁺-T-Helferzellen, die die Immunantwort koordinieren und andere Immunzellen unterstützen. In der Krebsmedizin spielt das HLA-System eine entscheidende Rolle, weil Tumorantigene von T-Zellen über HLA-Moleküle erkannt werden können.

Manche Tumoren entziehen sich der Immunüberwachung, indem sie die Bildung von HLA-Molekülen verringern oder ganz verlieren. Dadurch werden sie für T-Zellen schlechter erkennbar – ein wichtiger Escape-Mechanismus von Tumoren. Das HLA-System ist daher ein grundlegender Baustein für das Verständnis moderner Immuntherapien und individualisierter Krebsbehandlungen.

MSD Manuals: Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI): Humanes Leukozyten-Antigen-System (HLA). (2024)

National Cancer Institute (NCI): NCI Dictionary of Cancer Terms: Human leukocyte antigen (HLA)

National Library of Medicine: McGranahan N, Rosenthal R, Hiley CT et al. Allele-Specific HLA Loss and Immune Escape in Lung Cancer Evolution. (2017)

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