Das HLA-System (Humanes Leukozytenantigen-System) spielt eine zentrale Rolle bei der Erkennung körperfremder und veränderter Zellen. HLA-Moleküle befinden sich auf der Oberfläche nahezu aller Körperzellen und präsentieren kleine Eiweißbruchstücke, sogenannte Peptide, an T-Zellen. Anhand dieser Peptide erkennt das Immunsystem, ob eine Zelle gesund ist oder Anzeichen einer Virusinfektion oder einer Tumorerkrankung aufweist.Man unterscheidet zwei Hauptgruppen von HLA-Molekülen.
HLA-Klasse I kommt auf fast allen kernhaltigen Körperzellen vor und zeigt diese Peptide zytotoxischen T-Zellen (CD8⁺-T-Zellen), die virusinfizierte oder entartete Zellen erkennen und zerstören können. HLA-Klasse II wird vor allem von antigenpräsentierenden Zellen wie dendritischen Zellen, Makrophagen und B-Zellen gebildet. Sie aktiviert CD4⁺-T-Helferzellen, die die Immunantwort koordinieren und andere Immunzellen unterstützen. In der Krebsmedizin spielt das HLA-System eine entscheidende Rolle, weil Tumorantigene von T-Zellen über HLA-Moleküle erkannt werden können.
Manche Tumoren entziehen sich der Immunüberwachung, indem sie die Bildung von HLA-Molekülen verringern oder ganz verlieren. Dadurch werden sie für T-Zellen schlechter erkennbar – ein wichtiger Escape-Mechanismus von Tumoren. Das HLA-System ist daher ein grundlegender Baustein für das Verständnis moderner Immuntherapien und individualisierter Krebsbehandlungen.